850 Jahre

Eschbach  - 850 Jahre und älter

von Wolfgang Wolpert

Vergangene Zeiten zeigen sich uns Wißbegierigen manchmal dunkel, bisweilen hell und auch nicht selten halbdunkel. Für Eschbach trifft das Dritte zu. Dem Historiker wäre es angenehmer, es gäbe nur einen einzigen Ort dieses Namens. Eine Inschrift irgendwo an der Kirche mit deut­licher Jahreszahl gefiele uns. Eine Pergamenturkunde mit unzweifelhafter Namensnennung wäre uns äußerst willkommen. Bezüglich der beiden ersten Wünsche verweigert sich uns die Ge­schichte, und, was die Urkunde angeht, so hält sie die Sache spannend und ungelöst.

Das General­landes­archiv Karlsruhe (GLA 4 Nr.134) verwahrt in seinen Beständen ein inter­essantes Dokument. Wir wollen den lateinischen Wortlaut in seinen Hauptteilen selbst sprechen lassen: “Im Namen der heiligen und ungeteilten Dreieinigkeit Konrad, durch göttliche wohl­wollende Gnade glücklicher und erhabener König der Römer. Weil Gerechtigkeit und Recht die Grundfesten unseres Thrones sind (vgl. Ps. 88,15), wenn wir jedem Einzelnen sein Recht, im höchsten Maße den Christgläubigen im Ordensstand, sowohl in Personen, als auch in Besitzungen unverletzt bewahren, werden wir gute Nacheiferer unserer Vorgänger, Könige oder Kaiser, sein, und wir zweifeln nicht, des gegenwärtigen Lebens Frieden sowie ewige Glück­seligkeit in Zukunft zu erlangen. Aller zukünftiger wie gegenwärtiger Christgläubigen Eifer soll wissen, wie der Streit und Gegensatz, der zwischen der Kirche des hl. Blasius und dem Kloster Schaffhausen um einen gewissen Berg, Stouphen (Hochstaufen auf dem Brendemer Berg) genannt, bestand, nachdem er bei uns des öfteren vorgetragen worden war, schließlich in Anwesenheit der Vögte vorgenannter Kirchen, des Herzogs Konrad und Eberhards, des Grafen von Nellenburg, auch in Anwesenheit des Gaugrafen Rudolf von Lenzburg auf unser Geheiß hin beendet wurde, so freilich, daß vorgenannter Berg durch Eid und Bezeugung freier Männer dem Eigentum der Kirche des hl. Blasius zugesprochen wurde, deren Namen zur Bekräftigung dieses Aktes unterschrieben sind.”

Es folgen 31 Personen, unter ihnen der von uns besonders gewünschte und geschätzte  Holdewinus de Askebach.  Ihn begleiten Herren von Regensberg, Tegerfelden, Hüttwilen, Lengnau, Endingen und Wädenswil, so daß man geneigt sein mag, seine Herkunft in das schweizerische Eschenbach (Kanton Luzern) zu verlegen. (Baumann, S. 122). Aber für Eschbach ob Waldshut sprechen andere Adlige, die aus folgenden uns dienlichen Orten kom­men: Konrad von Krenkingen, Heinrich von Küssaberg, Bertold und Hiltibold von Steinegg, Albert von Eschingen (Berg-, Wut-, Riedöschingen oder Donaueschingen), Berthold von Almut, Adelbero und Eberhard von Gurtweil, Anno, Erinfrit, Bertold und Odalrich von Dillendorf, Bertold, Adelbero und Marquard von Lauchringen, Lutfried und Gunther von Beringen, Eberhard und Erkinbold von Lienheim, Landold von Seelfingen, Heinrich von Birndorf, Ripert und Lutold von Mauchen (abgegangene Siedlung bei Bonndorf) und Heinrich von Unadingen. Die Urkunde fährt fort: “Diese Entscheidung wurde nun gefällt, auf daß sie von allen in Zukunft und Ge­gen­wart als gültig und unerschütterlich für ewige Zeiten festgehalten werde; und damit geglaubt werde, daß der oben genannte Berg zum Eigentum der Kirche des hl. Blasius ge­hört habe und in Zukunft unwidersprochen gehören werde, bekräftigen wir dies durch die Macht­vollkommenheit dieses gegenwärtigen Privilegs und die An­bringung unseres Siegels, wobei wir mit königlicher Machtvollkommenheit gebieten, daß, wenn einer diese von uns be­kräftigte Entscheidung zu verletzen oder den vorgenannten Berg vom Eigentum und Besitz der Kirche des hl. Blasius gewaltsam zu entfernen trachtet, dann, wenn er nicht in Kürze zur Einsicht kommt, unserer königlichen Strafe unterliegen soll und unserer Kammer 30 Pfund Gold und ebensoviel der schon genannten Kirche zahlen muß.” Als Zeugen werden 13 hohe geistliche bzw. weltliche Herren angeführt, bevor der Namenszug und das Siegel König Konrads folgen. Die Urkunde wurde ausgestellt in Rothenburg ob der Tauber am 20. August 1150 (Franz L. Baumann, Das Kloster Allerheiligen in Schaffhausen, Basel 1883, S. 121-123, Nr. 71). König Konrad III. aus dem Hause Hohenstaufen regierte von 1137 bis 1152 und war der Vorläufer Kaiser Friedrichs I. Barbarossas.

Der in Urkunden von 1177, 1185 und 1187 genannte Waltherus de Esc(h)ibach kann nur schwerlich für unser Eschbach beansprucht werden. Es handelt sich bei diesen Dokumenten des Herzogs Berthold von Zähringen um Entscheidungen in kirchlichen Angelegenheiten zu Zürich. Die Herkunftsorte der Zeugen erstrecken sich zwar auch bis Krenkingen, Küssaberg und Almut, aber die Nennung von Regensberg und Rapperswil läßt den kritischen Betrachter doch eher zu einem schweizerischen Eschbach tendieren.

(F.J. Mone, Schriften der Altertums- und Geschichtsvereine zu Baden und Donaueschingen 2. Bd., Karlsruhe 1849, Nrr. 1 - 3, S. 25-29).

Ganz festen historischen Boden haben wir allerdings mit einer lateinischen Urkunde vom 16. 9. 1288 (GLA Karlsruhe 11 Nr. 2326) unter den Füßen. In ihr gibt ein Johannes, genannt Smit, von Waldshut, wohnhaft in Laufenburg, allen Christgläubigen, die das Schriftstück lesen werden, bekannt: Ich verkaufe die Mühle, gelegen im oberen Dorf  Eschbach und das Haus ebendort sowie ein anderes Haus, gelegen im unteren Eschbach, Äcker und Wiesen mit allem Zubehör und alles, was ich im Bann oder Gebiet des Dorfes Eschbach besitze . . .  dem in Christus geliebten Abt und Konvent des Klosters des hl. Blasius im Schwarzwald Benediktinerordens in der Diözese Konstanz. Die genannte Mühle ist bis heute ein heraus­ragendes Gebäude Eschbachs geblieben. Mit dem im unteren Dorf befindlichen Haus könnte jeweils das Anwesen Weißer, Gemeindestr. 22, oder Wassmer, Gemeindestr. 11 gemeint sein. Die Urkunde enthält auch Güter in Tiefenhäusern. Vermerkt wird die ausdrückliche Zustimmung der Gattin des Verkäufers, Hedwig. Es siegeln der Schultheiß von Waldshut sowie Herr Heinrich von Krenkingen. Die Verhandlungen fanden in St. Blasien und der Übergabeakt zu Laufenburg in Anwesenheit 15 namentlich genannter Zeugen und anderer glaubwürdiger Personen statt.

Der Liber marcarum, eine Aufzählung der konstanzischen Pfarrkirchen, entstanden um 1360 / 1370 (Erzbischöfliches Archiv Freiburg) hat auf Folie 193v folgende Notiz: “Togern cum filiabus inferiori Walzhuot et   Eschbach (Dogern mit seinen Filialen: der unteren Kirche Waldshut und Eschbach) “. Es handelt sich hier um die Ersterwähnung der Eschbacher Kirche.

Selbst, wenn die anfangs zitierte und beschriebene Urkunde von 1150 nicht die erwünschte totale Helligkeit bringt, kann Eschbach mit einem archäologischen Befund aufwarten, der seinesgleichen sucht. Zu Beginn der 70er Jahre wurden am Panoramaweg (Nähe Gemeinde­straße) nicht weniger als 25 alamannische Gräber entdeckt.

Hierzu schreibt Prof. Dr. G. Fingerlin in einem Brief vom 10. 6. 1981: “Nach dem, was bisher gefunden wurde, sieht es so aus, als ob wir hier den Bestattungsplatz eines Hofes oder einer kleinen weilerartigen Sied­lung vor uns haben, die im späten 7. Jahrhundert wohl ganz in der Nähe des Bestattungs­platzes angelegt worden ist. In dieser Zeit hat sich ein erster soge­nann­ter Landausbau voll­zogen, d.h. die alamannischen Siedler drangen in Gebiete vor, die bisher noch nicht genutzt worden waren, teilweise in Wald- und teilweise in Feuchtgebiete. Anhand einer jüngeren Ortsnamenschicht mit Endungen auf –hofen, -hausen oder –stetten, gelegentlich auch –bach wie in Eschbach, läßt sich dieser Siedlungsprozeß sehr gut verfolgen, auch mit Hilfe archäologischer Funde, wie sie in Eschbach vorliegen. . .  Die Funde von Eschbach zeigen insofern eine Besonderheit, als ein hier beigesetzter Mann sich durch seine Beigaben doch ganz erheblich vom Durchschnitt seiner Zeitgenossen abhebt. Neben seinen Waffen besaß er einen Gürtel, auf dessen Eisenbeschlägen Tierfiguren dargestellt sind, wie wir sie aus der West­schweiz und aus Frankreich kennen. Offenbar wurde dieser Gürtel, vielleicht mit den dazugehörigen Waffen, aus diesem Gebiet an den Hochrhein gebracht, vielleicht durch Kauf, Tausch oder als Geschenk. Jedenfalls setzt der Besitz eines solchen wertvollen Stückes eine gehobene gesellschaftliche Stellung  voraus. Allerdings können wir nicht mit Sicherheit sagen, daß es sich bei dem Mann von Eschbach um einen Adligen gehandelt hat, doch ist dies zumin­dest recht wahrscheinlich. Wir wissen, daß der alamannische Adel, auch der niedrige, bei der Erschließung des Landes eine erhebliche Rolle gespielt hat. Unter Umständen können wir diesen Mann als den Gründer des Ausbauortes Eschbach ansehen. . .”

Die 21 Eisenbeschläge stellen etwas Besonderes dar und haben deshalb ihren Platz in der Schatzkammer des Colombi-Schlößles in Freiburg gefunden.

Was sind schon 850 gegen 1300 Jahre !