Hiss Manuskript

Kurze Geschichte von Eschbach

Altsteinzeit, Jungsteinzeit, Bronzezeit, sind Begriffe, über die wir alle in der Schule etwas erfahren haben. Funde aus diesen Epochen sind, im Gegensatz zur Umgebung, in Eschbach nicht gemacht worden, was aber nicht bedeuten muß, dass die Menschen dieser Zeiten nicht auch  unser klimatisch bevorzugtes Tal zumindest gelegentlich aufsuchten. Flüsse waren in der Vorzeit immer Wander-, Handels- und Kriegswege. Es ist bewiesen, dass sich nach dem Ende des Nomadisierens entlang eines größeren Flusses jeweils auch Siedlungen bildeten, die oft zerstört und verlassen, aber immer wieder von neuen Gruppen aufgesucht und aufgebaut wurden. Seit der Eisenzeit ab etwa 1000 v. Chr. kennen wir auch den Namen eines Volkes, das zwar keinen einheitlichen Staat, wohl aber eine annähernd gemeinsame Sprache, Kultur und Religion hatte: die Kelten. Sie siedelten in Süddeutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich „Galier“, und stießen bis Italien, Nordspanien (Galizien) und zur Türkei (Galater) vor. Zwar haben wir wieder keinen Fund in Eschbach, aber der Nachweis, dass sie sich hier aufhielten, gelingt auch anders:

Sprachwissenschaftler können Herkunft und ursprüngliche Bedeutung der Wörter und Begriffe weitgehend erklären. Hans Bahlow hat sich in einem neu erschienen Werk speziell um keltische Wasser-Wörter gekümmert und festgestellt, dass sie die Ursprünge für viele unserer heutigen Ortsnamen sind. Das Wort ,,as" oder ,,asc" ist indogemanisch (unsere Ursprache) und bedeutet ,,trüb“, schmutzig". Man findet es z.B. als ,,asc-afa" im frühmittelalterlichen Namen ,,Eschphe“, dem heutigen Esch im Rheinland. Esch bei Ahrweiler und Äsch bei Zürich hießen früher ,,Asc(i)a“, und Eschbach im Taunus ,,Ascabach".

Bei den Kelten lautete das Wort bereits ,,esc" und bedeutete ebenfalls ,,trübes/schmutziges Wasser", auch ,,Sumpf". Wir müssen also davon ausgehen, dass unser Eschbach, zusammen mit den unzähligen Namensvettern, die mit ,,Esch" (auch ,,Es") beginnen oder enden, keltischen Ursprungs ist.

Auch der Namen ,,Liederbach" stützt diese These. Das lateinische Wort ,,lutum" bedeutet Kot, Schmutz, Dreck. Liederbäche gibt es auch bei Höchst und Lüttich, und ähnlich lautende Ortsnamen sind Liedern, Liederen, Lipbach, Lidingen und Lyhren. Von ,,lutum" stammen auch die noch heute gebräuchlichen Wörter ,,Luder" für ein verwesendes Tier oder eine zweifelhafte Frau (schmutzig im moralischen Sinn) und ,,liederlich".

Soll also unser schöner Orts- und der idyllische Bachname nichts mit Eschen und Liedern zu tun haben, sondern mit Schmutz? Um letzte Zweifel auszuräumen, müssen wir uns die Natur vergangener Zeiten vorstellen. Wie schon früher erwähnt, war der Bach laufend damit beschäftigt, die abgerutschten Hänge abzutransportieren. Das Klima im Jahrtausend vor Christus war kalt und feucht. Der Bach führte permanent viel mehr Wasser  als heute (vergleichbar mit der Zeit der Schneeschmelze im Frühjahr), sein Wasser hatte immer ein trübes Aussehen, und er legte seine Schmutzfracht im Bereich der Rheinaue (Bleiche) in einem oft überschwemmten, sumpfigen Delta ab. Die Menschen früherer Zeit stellten also fest, dass ein dreckiger Bach durch ein schmutziges Sumpfgebiet floß. Es ist also verständlich, wenn siedelnde Kelten unseren Bach ,,esp" oder ,,espe" nannten, woraus dann später ,,espha” oder ,,eschpha" und zuletzt endgültig ,,Eschbach" für das Dorf am Bach entstand. Die Römer nannten den Bach ,,(aqua) lutum", dies wurde zu alemannisch ,,Lieder", und “Bach” hängte man später grundsätzlich an jedes kleinere Fließgewässer an. Zum Trost, auch der Seltenbach hat seinen Namen von einem (anderen) SchmutzWort, und das Schmitzinger Tal (direkt von ,,Schmutz" ableitbar?) hat tatsächlich eine ähnliche Geologie und Topographie wie Eschbach. Zur Abrundung: ,,Rhein" ist ebenfalls ein keltischer Name, er bedeutet ,,der Schnellfließende”.

Dass nach den Kelten ab der Zeitenwende die Römer in der Gegend siedelten, beweist u.a. der römische Gutshof im Gurtweilertal. Nach dem Krieg fand ich in der Nähe der Eschbacher Alemannengräber ein römisches Hufeisen, das ich im Landratsamt Waldshut ablieferte. Ich bin aber überzeugt, dass dieser Fund nicht registriert wurde. Immerhin ist dadurch bewiesen, dass Römer hier geritten sind, und die Alemannen sind durch die erwähnte Grablege in Eschbach nachgewiesen. Sie tauchten etwa 250 n. Chr. hier auf und stießen auf eine römisch-keltische Bevölkerung, die entgegen landläufiger Meinung weder gänzlich geflohen war, noch total ausgerottet worden ist. Wer sich fügte, blieb am Leben, schlimmstenfalls mußte er sich von den günstigen Lagen des Rheintales und der unteren breiten Seitentäler weiter den Wald hinauf zurückziehen. Deshalb war die ansäßige Bevölkerung durchaus in der Lage, den Neuankömmlingen die Namen der Siedlungen, Gewässer, Berge und Fluren zu nennen. Die Alemannen haben die Bezeichnungen ihrem Sprachgefühl angeglichen und im Laufe der Zeit verändert. Die Struktur der neuen Bevölkerung war die eines freien Bauernvolkes.

Nach der Schlacht bei Zülpich 496 gewannen die Franken die Herrschaft über die Alemannen. Sie gründeten an strategisch wichtigen Stellen Stützpunkte unter Führung eines Edlen, um das Land unter Kontrolle zu halten. Unsere kleine Alemannensiedlung existierte vermutlich ungestört weiter, nachdem die Vormachtskämpfe beendet waren. Die Alemannen wurden durch irische und angelsächsische Mönche ab 700 durchgehend christianisiert. Es kann aber nicht ausgeschlossen werden, dass einzelne Siedlungen schon früher über christliche Keltoromanen , die sich z.B. in Zurzach nachweisen lassen, das Christentum angenomen haben. Die Klöster Säckingen, Rheinau und St. Blasien wurden gegründet, die das Land religiös, kulturell, wirtschaftlich und zunehmend auch politisch beeinflußten. Die Eschbacher Familien gehörten vermutlich zur Pfarrei Waldkirch, später zur Pfarrei Dogern, welches auch die Mutterkirche der (ehemaligen) Unteren Kirche in Waldshut und der Eschbacher Kapelle war. Die Bauern hatten an ihre jeweiligen Herrschaften Abgaben zu zahlen, was zunächst un problematisch war, denn sie brauchten dafür auch keinen Kriegsdienst leisten. Es gab aber Ausnahmen. wie beispielsweise während des Mongolensturms im 10. Jh., als das Ritterheer durch den Landsturm verstärkt werden mußte. Eschbach gehörte zum Albgau, der wie alle anderen von einem Grafen im Auftrag des Frankenkönigs verwaltet wurde, in unserem Fall also vom Landgraf von Hauenstein. Im Laufe der Zeit wurden diese Adligen immer selbstherrlicher, schraubten die Abgaben in die Höhe und nahmen der Bevölkerung immer mehr Rechte.

1180 wurde Waldshut gegründet. Die Landgrafschaft Hauenstein kam nun an die Habsburger und war fortan Wien direkt, d.h. reichsunmittelbar, unterstellt, was vorteilhaft war. Ärger für die Bevölkerung gab es aber immer wieder, als es kleinen, nachgeordneten Adligen, alten und vielen neuen Klöstern  gelang, einzelne Familien, Ortsteile und ganze Dörfer aus dem privilegierten Verband herauszulösen, sei es durch Kauf, Verpfändung oder Vererbung, und die Menschen zu Leibeigenen zu machen. Im Umkreis von Waldshut zählte man bis zu dreißig kleine Adlige, die zum Teil in der Stadt selbst wohnten, zum Teil in kleinen Burgen oder ,,Festen Häusern“ in oder bei ihren Dörfern. Sie lebten von den oft überhöhten Abgaben ihrer „Eigenleute“. Wahrscheinlich machte ein solcher Adliger auch Eschbach zu seinem Wohnsitz. Urkundlich belegt ist 1150 ,,Holdevinus de Askebach“ (zugleich älteste Erwähnung des Ortes). Ich vermute, dass dieser Ortsadel das Haus der späteren Mühle baute. Die Anlage des Bauwerkes mit seinen überdimensionierten Mauern geht weit über den Bedarf und die finanziellen Möglichkeiten eines damaligen Dorfmüllers hinaus.  

Möglicherweise bestand das Haus ursprünglich nur aus dem heutigen Wohnteil. Der nördliche Bereich wurde später hinzugefügt, als nach dem Aussterben des Gechlechtes oder durch Verpfändung des Besitzes diese Mühle und ein landwirtschaftlicher Betrieb dazu kam. Es kann natürlich auch sein, dass Scheune, Keller und Stall schon von Anfang an da waren, denn der Grundherr benötigte auch Lagerraum für die Naturalabgaben und einen Stall für seine Pferde. 1288 wurde die Mühle („im oberen Dorf“) als solche zum ersten Mal genannt. 1401 erscheint ein Bucher als Lehensherr, 1479 erhält Hans Werder das Gut, „das man nennt Hermanns am Weg“. Es gibt heute noch den Flurnamen „Hermännlihalde“ oberhalb von Hausbrunnen. 1350 bekommen die Geschwister Conradt, Elisabethen, Adelheiden und Margareten von Börningen den “St. Galler Hof”, genannt ,,Heinis Hof am Weg“ zu lehen. An der Mühle vorbei führt der alte Weg von Waldshut über das Vorderdorf, Hinterdorf zu den nördlichen Dörfern. War also die Mühle dieser St. Galler Hof in Eschbach?  In all diesen Urkunden vergibt das Kloster St. Gallen seinen Besitz. Ist es also der Nachfolger der adligen Grundherrschaft von 1150 und 1175? 1308 erscheint auch das Kloster Königsfelden als Besitzer ehemaliger (?) habsburgischen Einkünfte. Seine Rechte wurden später von St. Blasien übernommen.

Die zweimalige Bezeichnung „am Weg“ für diesen offenbar großen und wichtigen Besitz läßt vermuten, dass es sich immer um die selbe Liegenschaft handelt, die der Mühle, oder Ergebnis einer neuen Überlegung: der Hof Eckert. Denn auch er liegt mit einem kleinen Umweg, bedingt durch die Serpentine, am ehemals wichtigen Weg von Waldshut nach Alpfen oder Waldkirch und weiter. Er liegt nahe der Mühle, beide Anwesen könnten ursprünglich die selben (adligen) Besitzer gehabt haben und der Schwerpunkt des Grundbesitzes lag und liegt im westlichen Bereich des Tales. Eine andere Version von Hans Matt-Wilmatt meint, der St. Galler Hof sei auf dem Terrain des Hauses Schupp bei der Kirche gestanden. Tatsächlich gibt es oberhalb Mauerreste im Boden, die in meiner Jugendzeit noch sichtbar waren. Ich kann dies nicht nachvollziehen, da dieses Anwesen nicht „am Weg“ liegt. Eine kleine Grabung könnte Aufschluss über Alter, Art und Ausdehnung dieses Mauerwerks geben. Der in der Urkunde von 1288 ebenfalls genannte Hof „im unteren Eschbach“ könnte nach Aussage von Wolfgang Wolpert (Festschrift zur 850-Jahr-Feier) einer der heutigen Anwesen Weißer oder Wassmer gewesen sein. Die Bezeichnungen im „oberen“ bzw. „unteren“ Dorf leiten sich von dem (geringen) Höhenunterschied zwischen den beiden Höfen im Talbereich ab. Es ist anzunehmen, dass zuerst im Tal gesiedelt wurde und erst später die schwieriger zu bebauende Hanglage in Richtung Haspel. Das älteste Eschbach lag also möglicherweise entlang des Baches.

Nach der Gründung von Waldshut hatten die Bauern von Eschbach sicher wirtschaftliche Vorteile: Sie konnten nun auf den Märkten ihre Produkte verkaufen. Andrerseits wurden sie durch die unmittelbare Nachbarschaft zur Stadt in all ihre Kriege und Katastrophen mit einbezogen. Stichwortartig seien sie hier erwähnt: Pest: 1316, 1319, 1348, 1611, 1628, 1635, Belagerungen, bzw. Besetzungen und Durchmärsche: 1444 durch die Armagnaken, 1468 durch die Schweizer, 1633, 1634, 1638 durch die Schweden, 1688, 1731, 1744, 1796, 1800 durch die Franzosen und 1849 durch die Preußen.

In all diesen Fällen mußten die umliegenden Dörfer Naturalien und Geld zur Verfügung stellen, bzw. die Soldateska holte sich mit Gewalt, was sie brauchte. Die Eschbacher Häuser wurden vermutlich oft verbrannt, die Bewohner drangsaliert und getötet, falls sie nicht in die Wälder geflohen waren. Die Landgrafschaft Hauenstein zählte nach dem Dreißigjährigen Krieg nur noch 1500 Seelen. 1350 zerstörte eine Erdbeben die Stadt und wahrscheinlich auch die Bauernhäuser der Dörfer. Im Gegensatz zu Stunzigen und Singelen erholte sich Eschbach aber immer wieder von solchen Schicksalsschlägen.

Die Reformation berührte Eschbach offenbar kaum. Der Waldshuter Wiedertäuferpfarrer Hubmaier hatte hier keine oder wenige Anhänger. Kirchlich blieb Eschbach wie der ganze Hotzenwald unter dem strengen religiösen Regime von St. Blasien. Als Anerkennung für die Treue zum katholischen Glauben erhielten später die Eschbacher Mädchen das Recht, bei der Fronleichnamsprozession vor den Walshutern Jungfrauen gehen zu dürfen. Kirchlich ergab sich erst 1787 eine Anderung: Eschbach wurde teilweise von der Pfarrei Dogern getrennt und gehörte anschließend zur Oberen Pfarrei von Waldshut. Nach der Auflösung des Klosters St. Blasien wurde die Pfarrei städtisch, was bedeutete, dass der Patronatsherr in Zukunft der Großherzog von Baden war und dass der damalige Bau der neuen Kirche von der Stadt zu Ende geführt werden mußte. Wahrscheinlich wurde unsere heutige Filialkirche auch mit städtischer Unterstützung gebaut.

In die Zeit der Reformation gehört auch der Bauernkrieg. Er begann 1524 in Stühlingen. Das als einzige Habsburgerstadt protestantisch gewordene Waldshut verbündete sich mit den ebenfalls protestantischen Städten Zürich und Schaffhausen, aber auch mit den aufständischen und ebenfalls mit der neuen Lehre sympatisierenden Bauern. Sie wurden von Hans Müller von Bulgenbach, einem ehemaligen Landsknecht angeführt. Noch im selben Jahr erwartete Waldshut die Belagerung durch das österreichische Heer, aber die Truppen wurden zunächst noch woanders dringender gebraucht. Im nächsten Jahr wurde dann zuerst das Bauernheer niedergeknüppelt. Daraufhin zogen sich die beiden schweizer Städte aus dem Bündnis mit Waldshut zurück, Hubmeier suchte ebenfalls das Weite, und als auch der Aufnahmeantrag Waldshuts in die Eidgenossenschaft abgelehnt wurde, stand Waldshut ohne Verbündete und Freunde da und mußte klein beigeben. Die Stadt wurde bestraft, verlor viele Privilegien und mußte natürlich wieder katholisch werden. Auch den Bauern ging es nach dem verlorenen Krieg schlechter als zuvor.

Die Eschbacher waren in diesen Auseinandersetzungen vermutlich hin und her gerissen. Als gute Katholiken standen sie der Reformation in der Stadt distanziert gegenüber und waren verpflichtet, die Partei des katholischen Hauses Habsburg zu ergreifen, das ihnen, wie erwähnt, auch poltische Vorteile garantierte. Auf der anderen Seite waren sie geneigt, wegen der Unterdrückung der Bauern, ihre aufständischen Standeskollegen zu unterstützen. Wegen der geschäftlichen Beziehungen und manchen persönlichen Bindungen zu den Waldshutern mochten sie sich vermutlich mit den protestantisch gewordenen und politisch anders orientierten Städtern aber nicht überwerfen. Wahrscheinlich waren sie froh, als alle wieder den selben Glauben hatten und auch die politischen Differenzen bereinigt waren.

1770 kam es zu einem  Streit zwischen Eschbacher Bauern und dem Kloster St. Blasien. Es ging um die offenbar neu festgesetzte Abgabe von Zehntgaben durch das Kloster St. Blasien an den ,,Bläsihof“ von Waldshut. Die zehntpflichtigen Bauern aus Eschbach wollten verhindern, dass das (leere) Stroh, das sie zur Düngung benötigten, verkauft würde. Man einigte sich schließlich darauf, dass pro Garbe zwei Kreuzer erstattet werden, dass aber als Ausgleich den Fuhrleuten aus Eschbach kein Vesper mehr bezahlt wird.

1664 weihte der Konstanzer Bischof Georg Sigismund zwei Seitenaltäre in der Kapelle. 1678 wurde das Steinkreuz vor der Kirche erstellt.

Während der Salpetereraufstände tat sich der Eschbacher Müller Johann Marder hervor. Er wurde wie viele andere Anführer mit fünf weiteren Eschbacher Familien 1755 nach Ungarn verbannt. Die Eschbacher waren also Sympatisanten und zum Teil Aktive der Salpetererbewegung, die bekanntlich für die Wiedereinführung alter Rechte und Privilegien, wie es das Hauensteiner Land einmal besaß, und gegen Leibeigenschaft, wirtschaftliche Ausbeutung und Abhängigkeit von den jeweiligen Herrschaften kämpfte.

Eine letzte Zeitangabe sei erwähnt: Das ehemalige Schulhaus wurde in den Dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts gebaut, es ist also über 150 Jahre alt.

Zur Geschichte gehört auch, dass seit der Mitte des letzten Jahrhunderts bis zum zweiten Weltkrieg die Einwohnerzahl von Eschbach sich von 320 auf 237 verminderte. Aus- und Abwanderungen aus dem Dorf in wirtschaftlich schlechten Zeiten, aber auch verkleinerte Kinderzahl mögen die Ursachen dafür gewesen sein. Die Frage stellt sich, wo diese vielen Menschen wohnten. Es gibt nur eine Erklärung: eng zusammengedrängt in den etwa 25 ursprünglichen alten Bauernhäusern. In jedem lebten also im Schnitt 13 Personen. Die Gebäude ohne Ökonomieteil wurden erst später gebaut. Dazu gehören z.B. die fünf Häuser an der Reblandstraße. In diesen und anderen Häusern wohnten Leute, die nicht von der Landwirtschaft lebten, wie Arbeiter, Handwerker und Taglöhner. Sie besaßen allerdings meistens einige Morgen Land oder zumindest große Gärten, was wichtig für das Überleben war.

Auf zwei Mauerreste möchte ich noch hinweisen: Südlich der alten Kiesgrube an der B 500, unterhalb des Haspelweges, gibt es Mauern, deren Herkunft absolut ungeklärt sind. Die andereft Mauern befinden sich im Boden oberhalb von Schupps (Harche), dort wo der Fußweg von der Kirche nach oben führt. In meiner Jugend gab es noch eine Art Höhle im Boden, in der man Mauern sehen konnte. Vermutlich stand hier früher ein Bauernhaus oder ein Schopf. Falls aber die Ansicht eines Südkurierartikels (von Matt-Wilmatt?) zutreffen würde, dass es sich beim Schupp'schen Hof um den ehemalige St. Galler Lehenhof „am Weg" handele, könnte es sich hier um uralte Mauern handeln. Es wäre in diesem Fall sogar möglich, dass sich hier das Wohnhaus des Leherfträgers befand. Durch seine Lage oberhalb der Kirche und oberhalb des landwirtschaftlichen Anwesens hätte das Haus eine beherrschende, der Stellung des Besitzers angemessene Lage gehabt. Allerdings ,,am Weg" haben diese Häuser nicht gelegen. Insofern sind diese Überlegungen und die Ansichten des Zeitungsaufsatzes wohl nur Theorie.

Verwendete Literatur (u.a):

  • Birkenmayer, Baumhauer, Ruch, „Geschichte der Stadt Waldshut“, Bürgermeisteramt Waldshut
  • Hans Bahlow, „Deutschlands geographische Namenwelt“, Suhrkamp Taschenbuch
  • Walther Keinath, „Orts- und Flurnamen in Württemberg“, Schwäbischer Albverein
  • Busse, „Badische Heimat“, 19. Jahrgang, 1932
  • Festschrift zur 850 – Jahr – Feier von Eschbach